Warum Gottes Namen fast immer in dunklen Momenten entstehen
Der erste Mensch, der Gott in der Bibel einen Namen gibt, ist keine Königin und kein Prophet, sondern eine geflohene Sklavin.
Es gibt eine Frage, die man der Bibel stellen kann und deren Antwort viele überrascht: wer ist der erste Mensch, der Gott einen Namen gibt? Kein Patriarch, kein Priester, kein König. Es ist Hagar, eine ägyptische Sklavin, schwanger und auf der Flucht durch die Wüste. Sie nennt Gott El Roi, den Gott, der mich sieht.
Und damit ist das Muster gesetzt, das sich durch die ganze Bibel zieht: die Namen Gottes entstehen fast nie in guten Zeiten. Sie entstehen dort, wo ein Mensch am Ende ist und Gott sich als genau das erweist, was dieser Mensch gerade am nötigsten braucht. Auf dem Berg der Bindung Isaaks entsteht der Name des Versorgers: der Herr sieht vor. Ein bedrohter Mann baut einen Altar und nennt ihn: der Herr ist Friede. Ein alter Hirte, der weiß, wie verloren Schafe sind, sagt: der Herr ist mein Hirte. Not ist die Geburtsstunde fast jedes Gottesnamens.
Von der Ferne in die Nähe
Liest man die Namen in ihrer Reihenfolge, erzählen sie zusammen eine einzige Bewegung. Am Anfang steht Elohim, der Schöpfer über allem, majestätisch und weit. Am Ende steht das Wort, mit dem Jesus betet: Abba, ein Wort aus der Kindersprache, am ehesten mit Papa wiederzugeben. Von der größten Ferne in die größte Nähe. Das ist keine Sammlung von Titeln. Das ist eine Richtung, und sie zeigt konsequent auf den Menschen zu.
Für dein eigenes Beten heißt das etwas Schlichtes: du musst Gott nicht mit dem richtigen Titel anreden, um gehört zu werden. Die Menschen der Bibel haben ihre Namen für Gott nicht aus Büchern gelernt. Sie haben sie dort gefunden, wo sie ihm begegnet sind, meistens ziemlich weit unten.